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PROFI+AMATEUR – historisch gesehen

Heutzutage und hierzulande bezeichnen sich viele Fotografen gern als Profis, zumindest aber als Semi-Profis, wenn sie keine fotografische Lehre oder Ähnliches durchlaufen haben – wobei der Status gern durch den Besitz einer sogenannten Profi-Kamera unterstrichen wird. Als Amateur- oder Hobby-Fotograf bezeichnet sich keiner gern, weil die  Begriffe heute für die  technische Unzulänglichkeit des Fotografen stehen.

In der Zeit, in der man sich stritt, ob Fotografie Kunst sein könne,  war dies ganz anders. Der berühmte Leiter der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark begründete dies 1894 wie folgt:

Der Amateurfotograf unterscheidet sich vom Berufsfotografen dadurch, dass „er keine Rücksicht auf den Erwerb zu nehmen“* hat und sich „ein hohes Ziel“* setzen kann. „So kommt es, dass während auf künstlerischem Gebiet der Dilettant dem Mann des Berufes nachsteht, umgekehrt in der Photographie der Dilettant sowohl technisch wie künstlerisch die erste Stelle einnimmt.“ *

Liest sich gut,  bleibt aber lediglich eine kaum zu belegende Behauptung. Aus den Biographien großer Fotografen weiß man zu dem, dass einige ihre freien (künstlerischen) Arbeiten durch Auftragserarbeiten ermöglichten, also dann keine Rücksicht auf den Erwerb nehmen mussten. Heutzutage scheint die Unterscheidung Profi- und Amateurfotograf hinsichtlich des Könnens nicht richtig zu sein, gibt es doch einen hohen Spezialisierungsgrad bei Profis und Amateuren auf bestimmten Gebieten.

 

* Lichtwark, Alfred: Die Bedeutung der Amateur-Photographie (The importance of amateur photography), Halle a S.: Knapp, 1894; Seite 6. Bei diesem Zitat sei noch erwähnt, dass der Begriff “Dilettantismus“ bei Lichtwark positiv als Kennzeichen des Gebildeten besetzt war.

"Von den Socken", Parodie+Hommage auf Bilder von Gehard Vormwald (1948-2016),1988,  Dia/Scan 2012, Foto©: Anselm Jungeblodt"Von den Socken", Parodie+Hommage auf Bilder von Gehard Vormwald (1948-2016),1988, Dia/Scan 2012, Foto©: Anselm Jungeblodt